Chancen und Risiken

Wesentliche Chancen für das Geschäftsjahr 2023 sehen wir weiterhin in hohen Investitionen bei den Gesundheitsunternehmen, im Wohnungsbau sowie in klimabezogene Transformationsprozesse allgemein, mit entsprechenden Finanzierungsbedarfen im Gesundheits- und Sozialsektor und der Wohnwirtschaft sowie für Projektfinanzierungen in erneuerbare Energien. Damit verbinden wir eine positive Entwicklung für das Zinsergebnis im Kreditgeschäft.

Unsere Chancen sehen wir insbesondere im gestiegenen Zinsniveau, schließlich profitieren wir von positiven Auswirkungen auf das Zinsergebnis. Durch eine schneller ansteigende Verzinsung der Aktiv- im Vergleich zur Passivseite rechnen wir mit einer Ausweitung unserer Margen. Darüber hinaus reduziert sich der Aufwand für unsere Derivatepositionen.

»Die Risikotragfähigkeit im Berichtszeitraum ist angesichts der laufenden Ertragskraft und der Vermögens- und Substanzsituation der Bank gegeben.«

Risikomanagementsystem und -prozess

In unserem Unternehmensleitbild haben wir uns klar auf die Bedarfssituation unserer Mitglieder und Kunden ausgerichtet und daraus eine langfristige Unternehmensplanung entwickelt, die eine dauerhafte Begleitung unserer Kernklientel in allen Finanzierungs- und Vermögensanlagenfragen sicherstellt.

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Bis zu dieser Höhe deckten die gesamten liquiden Mittel der Bank die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und Kunden.

Wie alle unternehmerischen Tätigkeiten ist auch das Bankgeschäft nicht frei von Risiken. Neben allgemeinen Risikofaktoren (z. B. Konjunkturschwankungen, neue Technologien und Wettbewerbssituationen, sonstige sich verändernde Rahmenbedingungen) bestehen spezifische Bankgeschäftsrisiken, die sich insbesondere in Form von Adressenausfall- und Marktpreisrisiken (z. B. Zinsänderungen, Währungs- und Aktienkursänderungen) sowie Liquiditäts- und operationellen Risiken zeigen.

Mithilfe einer strategischen Planung steuern wir die Entwicklung unseres Instituts. Dabei ist es nicht unser Ziel, Risiken zu vermeiden, sondern ein angemessenes Chancen-Risiko-Profil entsprechend unserer Risikopräferenz zu wahren. Dazu haben wir ein System zur Früherkennung von Risiken implementiert. In diesem Rahmen ist ein Risikocontrolling- und Managementsystem mit entsprechenden Instrumenten eingerichtet, um bei Bedarf gegensteuernde Maßnahmen einleiten zu können.

»Der Umfang der Kredite mit erhöhten Risiken ist nach unserer Einschätzung überschaubar.«

Risikomanagement

Ziel des Risikomanagements unserer Bank ist es, Risiken, die den Erfolg wesentlich beeinflussen oder gar den Fortbestand gefährden können, frühzeitig zu erkennen sowie umfassend zu messen, zu überwachen und zu steuern. Integraler Bestandteil ist dabei die fortlaufende Sicherstellung der Risikotragfähigkeit.

Die Offenlegung der Risikomanagementziele und -politik entspricht den Anforderungen des Artikels 435 CRR und wird gemeinsam mit unserer Geschäfts- und Risikostrategie dem Aufsichtsrat zur Kenntnis gegeben und mit diesem erörtert. Die eingerichteten Systeme und Verfahren des Risikomanagements sind dem Profil und der Geschäfts- und Risikostrategie der Bank sowie ihrer Größe angemessen und entsprechen den Anforderungen der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Die zum 31.12.2022 gemessenen Risiken lasten unser Gesamtbanklimit zu 65,8 % aus. Für unsere Bank wurden folgende Risikokategorien als wesentlich eingestuft:

Adressrisiko

Das Adressenausfallrisiko stellt das Risiko des teilweisen oder vollständigen Ausfalls von Forderungen oder anderen schuldrechtlichen Instrumenten dar. Es beinhaltet das Kreditrisiko, das Emittentenrisiko und das Kontrahentenrisiko (jeweils einschließlich des Länderrisikos).

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Der Grad der Risikoauslastung des Gesamtbanklimits zum 31.12.2022.

Das Kreditrisiko reflektiert die Gefahr, dass Verluste oder entgangene Gewinne aufgrund des Ausfalls von Geschäftspartnern, der Migration und der adressbezogenen Spreadveränderung das erwartete Maß übersteigen. Dabei wird ausschließlich auf die potenzielle Erfolgswirkung abgestellt.

Zur Steuerung des Adressenausfallrisikos setzen wir im Kundengeschäft Ratingsysteme zur Beurteilung der Bonität einzelner Engagements ein (im Wesentlichen VR Rating). Speziell für die Kirchenbanken und deren spezifisches Geschäftsmodell ist das sogenannte NPO-Rating als Teilsegment für Non-Profit Organisationen in das VR-Rating integriert. Wir ermitteln monatlich mit Hilfe des Moduls Kreditportfoliomodell für Kundengeschäfte (KPM KG) unter VR-Control einen erwarteten und einen unerwarteten Verlust (Credit Value at Risk) aus dem Kundenkreditgeschäft. Die Berechnung erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren, dem sowohl die aggregierten Blankoanteile in den Risikoklassen bzw. -gruppen des Forderungsbestand als auch Ausfallwahrscheinlichkeiten und Branchenparameter zugrunde liegen. Der wesentliche Anteil unserer Kundenforderungen entfällt aufgrund unseres Unternehmenszwecks auf kirchliche und karitative Einrichtungen sowie Unternehmen mit kirchlichem Bezug. Die Struktur unserer Kundenforderungen entspricht dem Geschäftszweck der Bank. Hieraus resultierende größenstrukturbedingte sowie branchenbezogene Klumpenrisiken werden ständig überwacht. Nennenswerte Forderungen an Kreditnehmer im Ausland bestehen im Kundengeschäft nicht.

Kredite mit akuten Ausfallrisiken sind hinreichend wertberichtigt. Der Umfang der Kredite mit erhöhten Risiken ist nach unserer Einschätzung überschaubar; für hierin enthaltene Ausfallgefahren bestehen nach unserer Einschätzung ausreichende Abschirmungsmöglichkeiten aus dem laufenden Ergebnis.

Das Adressenausfallrisiko bei Eigenanlagen des eigengemanagten Bestands ermitteln wir im Rahmen der Risikotragfähigkeitskonzeption monatlich mit Hilfe des Kreditportfoliomodells für Eigengeschäfte (KPM EG). In Analogie zum Kreditgeschäft werden die Risiken in festverzinslichen Wertpapieren des eigengemanagten Bestands mittels eines „Credit-Value-at-Risk (CVaR)“ ermittelt. In diese Berechnungen fließen sowohl Migrations- und Spreadrisiken als auch Adressenausfallrisiken ein. Zur Diversifikation sind wir darüber hinaus in mehreren Wertpapierfonds engagiert; sie werden von erfahrenen Fondsgesellschaften gemanagt.

Die zum 31.12.2022 gemessenen Risiken lasten unser Limit für Adressenausfallrisiken zu 72,5 % aus.

»Der wesentliche Anteil unserer Kundenforderungen entfällt auf kirchliche und karitative Einrichtungen sowie Unternehmen mit kirchlichem Bezug.«

Marktrisiko

Turbulenzen an den Finanzmärkten begegnen wir durch eine breite Streuung der Eigenanlagen, Diversifikation in viele Anlageklassen und Beschränkung auf Bonitäten mit einem Rating von mindestens BBB (Moody's, S&P Fitch). Nennenswerte Veränderungen zum Vorjahr haben sich nicht ergeben.

Das Marktpreisrisiko umfasst das Risiko aus nachteiligen Veränderungen von Marktpreisen oder Marktparametern (Zinsstrukturkurve, Aktienkurse, Devisenkurse), in deren Folge sich Abweichungen vom geplanten Ergebnis ergeben. Dabei wird ausschließlich auf die Erfolgswirkung abgestellt. Angesichts unserer Geschäftsstruktur beziehen sich unsere Marktpreisrisiken überwiegend auf sich verändernde Geld- und Kapitalmarktzinsen. Darüber hinaus beobachten wir auch Immobilienfonds- und Publikumsfondsrisiken sowie die Risiken aus unserem Spezialfonds.

Zinsänderungsrisiko

Nach den zum 31.12.2022 gemessenen Zinsänderungsrisiken (einschließlich Kursrisiken in festverzinslichen Wertpapieren) werden die nach unterschiedlichen Szenarien ermittelten Zinsveränderungen im VR-Zinsszenario „fallend“ (stark fallende Zinsen) deutlichen Einfluss auf unser vorausberechnetes Ergebnis für 2023 haben. Danach ermittelt sich eine Belastung des Zins- und Bewertungsergebnisses gegenüber dem geplanten Ergebnis von 15,7 Mio. Euro. Die zum 31.12.2022 gemessenen Risiken lasten unser Limit für Zinsänderungsrisiken zu 24,77 % aus.

Zur Steuerung der Zinsänderungsrisiken setzen wir Zinssicherungsinstrumente ein. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Zinsswaps zur Aktiv-/Passivsteuerung. Zum anderen sind einzelne Wertpapiere durch Micro-Hedge-Geschäfte in Form von Zinsswaps gegen Zinsänderungsrisiken abgesichert. Darüber hinaus haben wir für Zwecke der Liquiditätsbeschaffung und zur Ablösung von auf Fremdwährung lautenden endfälligen Kundendarlehen sowie zur Absicherung der damit verbundenen Währungsrisiken Micro-Hedge-Geschäfte in Form von Cross-Currency-Swaps abgeschlossen. Micro-Hedges bilden wir nur bei kongruenter Fristigkeit sowie Währungs- und Laufzeitidentität.

Die zinsbezogenen Finanzinstrumente des Bankbuchs einschließlich der zur Steuerung des allgemeinen Zinsänderungsrisikos (Aktiv-/Passivsteuerung) abgeschlossenen Zinsderivate werden im Rahmen einer Gesamtbetrachtung aller Geschäfte nach Maßgabe von IDW RS BFA 3 n. F. verlustfrei bewertet. Nach dem Ergebnis der Berechnungen zum Bilanzstichtag war keine Rückstellung zu bilden.

Fondsrisiko

Die Messung der Kursrisiken aus unseren Publikums- und Spezialfonds erfolgt anhand von Risikokennziffern, die uns seitens der Fondsgesellschaften mitgeteilt werden. Hierbei achten wir darauf, dass die Risikomessung in den Fonds konsistent zu unserer Gesamtbanksteuerung ist und die Aggregation der Fondsrisikokennzahlen mit unseren anderen Risikoarten zu keiner gesamthaften Risikounterschätzung führt.

Die im Bestand befindlichen Immobilienfonds werden letztmalig mittels eines eigenen Risikomodells hinsichtlich des Kurswertrisikos beurteilt. Hierdurch soll eine einheitliche Risikomessung über alle Immobilienfondspositionen ermöglicht werden. Zukünftig soll die Risikomessung über die Union Investment erfolgen, dazu sollen die Immobilienfonds vollständig in den Masterfonds eingebracht werden. Das Portfolio der Immobilienfonds ist regional breit diversifiziert mit dem Fokus auf Wohnimmobilien mit Beimischung weiterer Nutzungsarten (Gewerbe). Die Preise für Immobilien sind in der Vergangenheit nachhaltig gestiegen, sodass wir aktuell nur von einer geringen negativen Wertentwicklung ausgehen.

Zum Stichtag 31.12.2022 wird das Limit für Fondsrisiken mit 74,55 % ausgelastet.

»Das NPO-Rating für Non-Profit Organisationen ist integraler Bestandteil unseres VR-Ratings.«

Liquiditätsrisiko

Liquiditätsrisiken können grundsätzlich in der Form des Zahlungsunfähigkeitsrisikos, des Refinanzierungsrisikos und des Marktliquiditätsrisikos auftreten. Unsere Finanzplanung ist streng darauf ausgerichtet, allen gegenwärtigen und künftigen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommen zu können. Insoweit achten wir auf ausgewogene Laufzeitstrukturen der Aktiva und Passiva. Unsere im Rahmen des Bilanzstrukturmanagements getätigten Geldanlagen bei Korrespondenzbanken bzw. in Wertpapieren tragen neben Ertrags- auch Liquiditätsaspekten Rechnung.

Durch die überwiegende Refinanzierung mit Kundeneinlagen hat das Refinanzierungsrisiko für uns eine geringe Bedeutung. Zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit ist ein diversifiziertes Liquiditätsdeckungspotenzial sowohl aus aufsichtsrechtlicher als auch ökonomischer Sicht erforderlich. Wir achten auf eine ausreichende Diversifikation unserer Refinanzierungsquellen bzw. unseres Liquiditätsdeckungspotenzials.

Unsere Zahlungsfähigkeit und Refinanzierungsstrukturen beurteilen wir u. a. anhand der aufsichtsrechtlichen Liquiditätskennzahlen Liquidity Coverage Ratio (LCR) und Net-Stable-Funding-Ratio (NSFR). Mit einer LCR von 135,8 % und einer NSFR von 104,8 % lagen wir zum 31.12.2022 jeweils deutlich über unseren Risikotoleranzen. Unplanmäßige Entwicklungen mit wesentlichen Auswirkungen auf unsere Liquiditätslage haben sich im Berichtsjahr nicht ergeben.

»Unsere Finanzplanung garantiert, gegenwärtigen und künftigen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachkommen zu können.«

Handelsbuch

Ein Handelsbuch unterhalten wir nur im Rahmen der Bagatellgrenzen des Artikels 94 CRR.

Operationelle Risiken

Operationelle Risiken betreffen die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unzulänglichkeit oder des Versagens von internen Prozessen, Menschen oder Systemen oder infolge externer Ereignisse eintreten. Weiterhin zählen Gefahren, die sich aus Verstößen gegen Rechtsvorschriften und sonstige für die Bank wesentliche Regelungen ergeben, zu den operationellen Risiken; diese werden zusätzlich im Rahmen eines eigenen Regelkreises gesteuert.

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beträgt die Gesamtkapitalquote zum Stichtag 31.12.2022, sie liegt damit über über der Mindestanforderung.

Das IT-Risiko stellt ein spezielles operationelles Risiko dar. Hier betrachten wir insbesondere die Teilbereiche „Zentrales Rechenzentrum“ und „IT Risiken Bank“. Über die IT-Risiken, die das Rechenzentrum betreffen, erhalten wir regelmäßige Berichte vom IT-Dienstleister einschließlich der Darstellung der eingeleiteten Maßnahmen bei Problemen. Die in die Sphäre der Bank fallenden IT-Risiken steuern wir über umfassende operative Maßnahmen zur IT-Sicherheit. Für alle wesentlichen Schadensereignisse in Bezug auf bankinterne IT-Risiken besteht ein umfassender Versicherungsschutz. Betriebliche Notfallplanungen wurden insbesondere auf die Anforderungen aus dem IT-Bereich abgestimmt.

Rechtlichen Risiken begegnen wir durch die Verwendung der im Verbund entwickelten Formulare und die Inanspruchnahme juristischer Beratung im Fall von Rechtsstreitigkeiten. Die Anrechnung der operationellen Risiken erfolgt im Rahmen des Risikotragfähigkeitskonzept der Bank durch ein entsprechendes Risikolimit. Zum 31.12.2022 wurde das Limit mit 30,86 % ausgelastet.

Risikotragfähigkeit

Die Wesentlichkeit aller Risiken überprüfen wir regelmäßig und anlassbezogen, wobei wir auch das Nachhaltigkeitsrisiko als Querschnittsrisiko einbeziehen, indem wir beurteilen, inwieweit Nachhaltigkeitsfaktoren auf die originären Risikoklassen einwirken. Aktuell stufen wir alle sonstigen Risiken als unwesentlich ein.

Gesamtbild der Risikolage

In der Gesamtbetrachtung bewerten wir unsere Risikolage als tragbar. Gleichwohl können die dargestellten Risiken, insbesondere die strukturellen Kreditrisiken und die Zinsänderungsrisiken, die künftige Entwicklung unserer Bank wesentlich beeinträchtigen. Für diese Risiken sind Vorsorgereserven gebildet. Bestandsgefährdende Risiken bestehen auf Basis unserer aktuellen Analysen und Prognosen jedoch nicht.

Die Anforderungen an die Eigenmittelausstattung und die Kapitalquoten hat die Bank jederzeit eingehalten. Zum Stichtag 31.12.2022 beläuft sich die Gesamtkapitalquote auf 13,7 % und liegt damit über der Mindestanforderung. Die Eigenmittel nach Art. 72 CRR belaufen sich zum Stichtag auf 286,4 Mio. Euro.

Die Risikotragfähigkeit im Berichtszeitraum 2022 war angesichts der laufenden Ertragskraft und der Vermögens-/Substanzsituation der Bank jederzeit gegeben. Auch für das Geschäftsjahr 2023 erwarten wir diesbezüglich keine wesentlichen Änderungen.