Geschäftsentwicklung 2022

Konjunktur in Deutschland

Die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands wurde 2022 spürbar durch die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine belastet. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,9 %, nach einem Zuwachs von 2,6 % im Jahr 2021. Zu Jahresbeginn führten pandemiebedingte Aufholeffekte zu einer kräftigen Expansion. Im weiteren Jahresverlauf verschlechterte sich die Konjunktur aufgrund der kriegsbedingt steigenden Energie- und Rohstoffpreise, länger bestehender Lieferkettenstörungen und enormer Unsicherheiten, nicht zuletzt über die Gasversorgung. Weitere dämpfende Faktoren waren der Arbeitskräftemangel und die Spätfolgen der Coronapandemie.

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte sind im Jahresverlauf zunächst kräftig gestiegen. Zum Jahresende belasteten die hohen Verbraucherpreise. Auf Jahressicht konnten die privaten Konsumausgaben dennoch preisbereinigt um 4,6 % (2021: +0,4 %) zulegen und mit soliden 2,3 Prozentpunkten zum BIP beitragen. Die Konsumausgaben des Staates sind erneut gestiegen.

+%

betrug der Anstieg der privaten Konsumausgaben. Auch die Konsumausgaben des Staates sind erneut gestiegen.

Die enormen Preiserhöhungen, andauernden Personal- und Materialengpässe, eingetrübten Ertragsaussichten, weniger günstigen Finanzierungsbedingungen sowie hohe Unsicherheiten belasteten das Investitionsklima spürbar. Insgesamt stagnierten die Bruttoanlageinvestitionen nahezu, nachdem sie im Vorjahr noch merklich zum Wachstum beigetragen hatten.

Am Arbeitsmarkt setzte sich die Erholung fort. Trotz eines zeitweisen Anstiegs infolge der erstmaligen Erfassung ukrainischer Flüchtlinge gab die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt um etwa 200.000 auf rund 2,4 Millionen nach. Die Arbeitslosenquote sank von 5,7 % im Vorjahr auf 5,3 %. Die Erwerbstätigenzahl erhöhte sich 2022 um knapp 600.000 auf rund 45,6 Millionen Menschen, ein neuer Höchststand. Die Inflationsrate, gemessen am Verbraucherpreisindex, lag mit 7,9 % im Jahresdurchschnitt erheblich über dem Vorjahreswert von 3,1 %. Einen vergleichbar hohen Preisanstieg für die Lebenshaltung hatte es hierzulande zuletzt 1951 mit 7,6 % gegeben. Maßgeblich waren die Energie- und Nahrungsmittelpreise, die im Zuge des Ukrainekrieges sowie der andauernden Lieferengpässe um außerordentliche 34,7 % und 13,4 % stiegen. Ohne staatliche Entlastungsmaßnahmen wäre die Gesamtteuerung noch höher ausgefallen.

»Zu Jahresbeginn führten pandemiebedingte Aufholeffekte zu einer kräftigen Expansion. Im weiteren Jahresverlauf verschlechterte sich die Konjunktur aufgrund der kriegsbedingt steigenden Energie- und Rohstoffpreise.«

Finanzmärkte

Notenbanken

Weltweit reagierten Notenbanken auf die hohe Inflation mit Zinserhöhungen. Die US-Notenbank Fed erhöhte ihren Leitzins erstmals im März 2022. Die Europäische Zentralbank (EZB) folgte im Juli 2022. Die Federal Funds Rate stieg bis zum Jahresende von 0 bis 0,25 % auf 4,25 bis 4,5 %, und der Hauptrefinanzierungssatz der EZB von 0 % auf 2,5 %.

Renditen

2022 war für die internationalen Anleihemärkte außergewöhnlich. Die Renditen stiegen ab März. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe war am 4. März 2022 mit -0,10 % letztmalig negativ. Bis zum 20. Juni erhöhte sie sich aufgrund steigender Inflationserwartungen und der Zinserhöhungen der Notenbanken auf 1,75 %; die Anstiege anderer Staatsanleihen verliefen ähnlich. Bis zum 1. August setzte vor dem Hintergrund stark negativer Konjunkturprognosen sowie der großen Unsicherheit hinsichtlich der Zins- und Inflationspfade eine Beruhigung ein.

Ab Mitte August folgte erneut ein Aufwärtstrend, der von den nun parallelen Zinserhöhungen der großen westlichen Notenbanken geprägt war. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 2,56 % zum Jahresende, ein Renditeanstieg um 274 Basispunkte innerhalb eines Jahres. Die Rendite der zehnjährigen US-Bundesanleihe stieg 2022 von 1,50 % auf 3,83 %, also um 233 Basispunkte. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte führten makroökonomische Daten und die Ankündigungen sowie die Kommunikation der Notenbanken Fed und EZB zu einer hohen Volatilität an den Anleihemärkten.

Euro/US-Dollar

Die europäische Gemeinschaftswährung schwächte sich im Jahresverlauf gegenüber dem Dollar deutlich ab. Insbesondere in den ersten drei Quartalen wirkten sich die schnelleren Zinserhöhungen der Fed und die erwarteten schweren konjunkturellen Folgen der Energiekrise für Europa durch Russlands Angriffskrieg negativ auf den Wechselkurs des Euro aus. Am 27. September 2022 erreichte er mit einem Wert von 0,96 Dollar sein Minimum. Zum Jahresende lag der Wechselkurs bei einem Wert von 1,07 Dollar, was einem Jahresrückgang von 6,1 % entspricht.

Aktien

Der DAX begann das Jahr mit leichten Verlusten, die sich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine schnell ausweiteten. Von 15.884,86 Punkten zum Jahresauftakt fiel der Leitindex bis zum 29. September infolge der mit dem Krieg verbundenen Preisanstiege bei Energie und Rohstoffen auf einen Jahrestiefstand von 11.975,55 Punkten, ein Rückgang um 24,6 %. Im 4. Quartal 2022 hellten die Erwartungen für die europäische Wirtschaft auf. Rückläufige US-Inflationsraten dämpften die Erwartung an weitere Leitzinserhöhungen. Im Dezember beendete die Volksrepublik China ihre Null-Covid-Politik, wodurch sich wieder mehr Absatzchancen für westliche und deutsche Unternehmen abzeichneten. Der DAX beendete das Jahr mit 13.923,59 Punkten, ein Anstieg um 16,3 % seit dem Septembertiefststand.

Der DAX verlor im Gesamtjahr 12,3 % und verzeichnete wie die globalen Aktien- und Anleihenmärkte einen deutlichen Volatilitätsanstieg. Im internationalen Vergleich entwickelte sich der Index schlechter als der Euro Stoxx 50, der 11,7 % verlor, oder der traditionelle US-Index Dow Jones mit -8,8 %. Der technologielastige Nasdaq verlor hingegen 33,1 %.

-%

verlor der DAX im Gesamtjahr und verzeichnete wie die globalen Aktien- und Anleihenmärkte einen deutlichen Volatilitätsanstieg.

Kundeneinlagen

Ab dem Frühjahr 2022 begannen die Notenbanken unter anderem infolge des Kriegsausbruchs mit der Anhebung der Zinsen. Hieraus resultierend konnten wir seitdem auf die Berechnung von Verwahrentgelten verzichten. Mit den steigenden Zinsen wurden auch die Anlagen in länger laufende Einlagen sowie Sparbriefe interessant. So stieg das Volumen längerfristiger Einlagen moderat, während das auf Girokonten vorgehaltene Guthaben relativ konstant blieb.

Kundenkreditgeschäft

Nach einer sechsjährigen Nullzinsphase hat die EZB im Juli 2022 die Zinswende eingeläutet. Bis zum Jahresende wurden die Leitzinsen in vier Schritten auf insgesamt 2,5 % angehoben. Auf die Entwicklung des Kreditportfolios hatte der Zinsanstieg keine direkten Auswirkungen. Das Kreditwachstum der Pax-Bank ist erneut durch wohn- und immobilienwirtschaftliche Finanzierungen geprägt. Aber auch mit privaten Baufinanzierungen wurde der Kreditbestand weiter ausgebaut. Das qualifizierte Wachstum wurde, wie in den Vorjahren auch, in den guten, gesunden Bonitätsnoten generiert. Von Zinsfestschreibungen über einen längeren Zeitraum wurde weiterhin rege Gebrauch gemacht. Gewährte Sondertilgungsmöglichkeiten wurden aufgrund der zunächst weiterhin weniger attraktiven Anlagemöglichkeiten genutzt. Steigende Preise und hohe Inflation hatten keine Auswirkungen auf die Güte des Kreditportfolios. Der Anteil gesunder Bonitätsnoten an den gesamten Kundenforderungen macht weiterhin mehr als 99 % aus.

+%

in vier Schritten stiegen die Leitzinsen der EZB in 2022, nach einer sechsjährigen Nullzinsphase.

Die Inflationsrate erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr den höchsten Stand seit über 70 Jahren. Für 2023 erwarten wir eine Entwicklung auf einem gegenüber 2022 geringeren, aber weiterhin hohen Niveau. Bei gleichzeitig weiter steigenden Zinsen kann dies zu einem geringeren Kreditwachstum im neuen Geschäftsjahr führen.

+%

stieg die Inflationsrate im Jahr 2022 im Jahresdurchschnitt gegenüber 2021.

Eigenkapitalentwicklung 31.12.2022 31.12.2021 Veränderung
Nur Passivposten 12 (Gez. Kapital) Euro Euro Euro in%
Summe der Geschäftsguthaben 36.282.250 32.323.750 3.958.500 12,3
Ergebnisrücklagen 68.683.000 68.395.264 287.736 0,4
Fonds für allgemeine Bankrisiken 179.630.000 157.800.000 21.830.000 13,8
Bilanzgewinn, soweit die Zuführung zu den Ergebnisrücklagen vorgesehen ist bzw. aus 2021 erfolgte 3.003.146 1.255.459 1.747.687 139,2
287.598.396 259.774.473 27.823.923 10,7

Wertpapiergeschäft

Die Variation der Ereignisse im Kalenderjahr 2022 und die damit verbundene Volatilität an den Kapitalmärkten ist nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigegangen. Rückblickend wird es wohl als eines der schwierigsten und schlechtesten Jahre an den Finanzmärkten in die Geschichte eingehen. Angefangen bei den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der unterbrochenen Lieferketten, bedingt durch die weiterhin bestehenden Nachwirkungen der Corona-Pandemie, bis hin zu der durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verursachten Unsicherheit, den immensen Preissteigerungen und der Energiekrise. Insbesondere die starke Inflation hat die Zentralbanken im Laufe des Jahres zu einer 180-Grad-Wende der Zinspolitik gezwungen.

Das Wertpapiergeschäft startete vergleichsweise stark in das Jahr 2022, mit deutlicher Nachfrage insbesondere nach alternativen Anlageformen. Auch nach dem Aufkommen der Risiken im Frühjahr rieten wir Kunden weiterhin zum Aufbau breit aufgestellter Depotstrukturen. Mit der Rückkehr des Zinses waren ab dem zweiten Halbjahr 2022 auch Konzepte in Anleihen wieder nominal attraktiver, weshalb dort mehr Nachfrage zu verspüren war. Unabhängig davon war mit der Zinswende insgesamt ein gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufiges Kundenwertpapiergeschäft verbunden.

+%

betrug die Umlaufrendite von Anleihen der öffentlichen Hand in Deutschland im Jahr 2022.

Gewinnverwendung Euro
4,0 % Dividende auf die Geschäftsguthaben 1.332.329,28
Einstellung in die gesetzliche Rücklage 835.000
Einstellung in die anderen Ergebnisrücklagen 835.000
Vortrag auf neue Rechnung 817
Insgesamt 3.003.146

Eigenmittel

Angemessene Eigenmittel bilden neben einer stets ausreichenden Liquidität die unverzichtbare Grundlage einer soliden Geschäftspolitik. Die vorgegebenen Anforderungen der CRR und des KWG wurden von uns im Geschäftsjahr 2022 stets eingehalten.

Mit einer Kernkapitalquote nach den Bestimmungen des Artikels 92 Absatz 1 der CRR von 12,6 % sowie bei einer Gesamtkapitalquote von 13,7 % ist die Pax-Bank solide ausgestattet. Das bilanzielle Eigenkapital, wie es nach der Feststellung der Bilanz wirksam wurde, betrug per Ende 2022 insgesamt 287,6 Mio. Euro. Durch die gestiegenen Eigenmittel verfügen wir über ausreichende Wachstumsspielräume, um den Kreditwünschen unserer Kunden gerecht zu werden.

Eigene Wertpapiere

Die Wertpapieranlagen unserer Bank haben um 53 Mio. Euro zugenommen. Im Bereich der Fondsanlagen sind rd. 67 % in Mischfonds, 4 % in Infrastrukturfonds und 29 % in Immobilienfonds angelegt. Der Depot-A Bestand ist zu 56 % der Liquiditätsreserve zugeordnet. Diese wurde vollständig nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet.

Für Refinanzierungsgeschäfte haben wir 107 Mio. Euro an die Deutsche Bundesbank verpfändet. Der Bestand an Aktien und anderen nicht festverzinslichen Wertpapieren in Höhe von 509,4 Mio. Euro setzt sich ausschließlich aus Investmentanteilen zusammen. Der Anteil unserer Wertpapieranlagen an der Bilanzsumme beträgt 23,7 % und hat gegenüber dem Vorjahr um 6,4 % zugenommen.

Ertragslage

Die Bank hat sich im Geschäftsjahr 2022 zufriedenstellend behauptet. Der gegenüber dem Vorjahr um 15,5 % gestiegene Zinsüberschuss liegt um 5,8 Mio. Euro über unserer Planung. Die Abweichung resultiert im Wesentlichen aus den Interbankengeldern (+ 2,8 Mio. Euro) sowie der um 1,1 Mio. Euro höheren Ausschüttung unserer Fonds. Die Beteiligungserträge liegen ebenfalls um 150.000 Euro über unserem Planwert.

Das Provisionsergebnis lag 0,3 Mio. Euro unter unserer Planung. Das Wachstum in der Vermögensverwaltung und die Ertragssteigerung im Zahlungsverkehr sowie im Außenhandel konnten den Rückgang im Kundenwertpapiergeschäft nur teilweise kompensieren.

Nach Abzug des Steueraufwands in Höhe von 7,7 Mio. Euro und den Einstellungen in die Ergebnisrücklagen in Höhe von 1,7 Mio. Euro verbleibt unter Einbeziehung eines Gewinnvortrags in Höhe von 76,59 Euro ein Bilanzgewinn von 3.003.146,23 Euro. Der Generalversammlung wird vorgeschlagen, den Bilanzgewinn in Höhe von 3.003.146,23 Euro zu verwenden.

Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit der Bank war im abgelaufenen Geschäftsjahr jederzeit gewährleistet. Die Barreserve wurde am Bilanzstichtag mit 401,1 Mio. Euro ausgewiesen. Das Verhältnis der Barreserve zu den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und Kunden von 3.349,7 Mio. Euro am Jahresende 2022 betrug 12,0 % (Vorjahr 17,4 %). Die gesamten liquiden Mittel in Höhe von 926,3 Mio. Euro, die sich aus der Barreserve, den täglich fälligen Forderungen an Kreditinstitute sowie den bei der Deutschen Bundesbank beleihbaren Wertpapieren zusammensetzen, deckten 27,7 % (Vorjahr: 30,6 %) der vorgenannten Verbindlichkeiten. Bei unserer Liquiditätsgestaltung haben wir die besonderen Anforderungen unserer Kunden gebührend berücksichtigt. So wählten wir bei der Anlage unserer Betriebsmittel in Wertpapieren – unter Beachtung von Rentabilität und Sicherheit – Laufzeiten und Größenordnungen, die jederzeit auch extrem hohen Zahlungsanforderungen gerecht wurden. Dabei erfolgt die Anlage stets im Rahmen unserer Nachhaltigkeitskriterien. Die Liquiditätskennzahl Liquidity Coverage Ratio (LCR) gemäß der Verordnung 575/2013 des Europäischen Parlaments (CRR) wurde im Berichtjahr stets mit Spielraum eingehalten.